Zweites Internationales Symposium zu Nieren-Bildgebung: Nieren im Fokus

Vom 11. bis 13. Oktober veranstaltet das MDC gemeinsam mit der Charité und der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt das zweite internationale Symposium zur funktionalen Nierenbildgebung, „Functional Renal Imaging“. Warum sich die Wissenschaftscommunity für Nieren und den Campus interessiert, erklärt Prof. Thoralf Niendorf, Leiter der Gruppe Experimental Ultrahigh Field MR am MDC im Gespräch.

Warum ist es jetzt an der Zeit, sich mit Nieren-Magnetresonanztomographie zu befassen?

Die Zahlen aus Gesundheitsstatistiken sind überwältigend: die Häufigkeit von Nierenerkrankungen steigt, besonders von akutem Nierenversagen und chronischen Nierenleiden. Auf den Intensivstationen leidet jeder dritte Patient an einer akuten Nierenerkrankung. Chronische Nierenleiden betreffen weltweit mehr als zehn Prozent der Bevölkerung und sind für etwa zwei Millionen Todesfälle pro Jahr verantwortlich. Die Sterblichkeitsrate ist höher als bei den meisten Krebsarten.

Doch die Patienten sind unterversorgt. Die derzeitigen Therapien sind nicht effizient genug und häufig erfolglos. Für die Medikamentenentwicklung gilt dasselbe. Aber damit nicht genug: die derzeitige Diagnostik setzt auf Biomarker, die erst auftreten, wenn die Krankheit bereits ein akutes Stadium erreicht hat.

Hier kommt die Magnetresonanztomographie (MRT) ins Spiel. Mit ihr können wir die Sauerstoffversorgung (Oxygenierung) und den Blutfluss begutachten. Die Niere ist immer am Rande einer Sauerstoffunterversorgung und wenn dieser Zustand akut wird, kann das ein Organversagen auslösen. Es wäre von unschätzbarem diagnostischem Wert, diese Anzeichen frühzeitig zu erkennen.

Was muss noch passieren, damit das zum Standard in der medizinischen Praxis wird?

Die MRT bewegt sich an der Schnittstelle zwischen Physik, Physiologie, Biologie und Medizin. Ärzte kennen das Potenzial neuer Methoden häufig nicht, gleichzeitig wusste die Imaging-Community lange nichts über die Bedürfnisse der Nephrologen. Da braucht es echten Einsatz, damit wir gemeinsam wirksame neue medizinische Anwendungen für diese Art der Bildgebung entwickeln können. Wir müssen die traditionellen Grenzen der Disziplinen überwinden, um eine gemeinsame Sprache zu entwickeln.

Dieses T2*-Mapping zeigt die Sauerstoffversorgung in der Niere einer Ratte. Die Daten stammen von einer Messung an einem 9,4-Tesla-Gerät, die räumliche Auflösung beträgt 220 Mikrometer. Bild: Andreas Pohlmann, MDC

Dieses T2*-Mapping zeigt die Sauerstoffversorgung in der Niere einer Ratte. Die Daten stammen von einer Messung an einem 9,4-Tesla-Gerät. Die räumliche Auflösung beträgt 220 Mikrometer. Bild: Andreas Pohlmann, MDC

Als erstes haben wir die Arbeitsweise der Niere erkundet. Denn nur, wenn wir ein Organ verstehen, können wir auch eine physiologische Interpretation von Bilddaten liefern. Dann sind wir nicht mehr auf Mutmaßungen und Spekulationen angewiesen.

Vor fünf Jahren haben wir angefangen, uns diesem Problem zu widmen und starteten mit Hilfe einer DFG-Finanzierung eine interdisziplinäre Forschungsgruppe (FOR1368). Zusammen mit unserem Partner, dem Institut für Vegetative Physiologie der Charité, haben wir das technische Setup einer Physiologie-Abteilung mit einem MR-Scanner integriert. Dadurch konnten wir unsere MR-Daten mit den gleichzeitig erhobenen physiologischen Daten abgleichen. Das war ein wichtiger Schritt, um eine invasive Technologie in eine nicht-invasive zu verwandeln.

Was war das Ergebnis der ersten Konferenz, und was sind Ihre Erwartungen für die aktuelle?

Das erste internationale Symposium zu diesem Thema fand vor zwei Jahren in Bordeaux in Frankreich statt. Die Veranstaltung hatte zwar wenige Teilnehmer, war aber sehr nützlich. Die vielen Personen aus allen möglichen Disziplinen einigen sich schneller auf gemeinsame Ergebnisse und einen Konsens, wenn sie in einem Raum sind, als wenn sie die Dinge per E-Mail klären.

In diesem Jahr erwarten wir rund 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus ganz Europa, Amerika und Asien; etwa die Hälfte von ihnen kommen aus der Bildgebung, ein Viertel aus der Nephrologie und die meisten anderen sind Physiologen. Das Treffen wird von der EU-COST Action PARENCHIMA mitorganisiert, für die ich der deutsche Vertreter im Verwaltungsausschuss bin.

Diese Cross-Domain-Plattform ist ein Ergebnis der ersten Konferenz. Das Programm hat in diesem Jahr sowohl Top-Kliniker, führende Experten in der Bildgebung und erstklassige Physiologen angezogen, und es wird uns helfen, die physiologische und molekulare Bedeutung von Imaging-Befunden besser zu verstehen und das Erlernte anzuwenden. In diesem Sinne ist das Symposium ein Katalysator für die Weiterentwicklung von Nierendiagnostik und Therapien und es schafft damit Voraussetzungen für neue Erkenntnisse. Wir arbeiten auch an der Entwicklung eines neuen Berufs: den Integrativen Nierenspezialisten (Renalisten), die Brücken zwischen Physik, Physiologie, Biologie und Medizin bauen.

Weitere Informationen

Vorheriger Beitrag:
Nächster Beitrag: