Humboldt-Preisträger Nir Friedman wird MDC-Gastwissenschaftler

Der israelische Systembiologe und Bioinformatiker Prof. Nir Friedman von der hebräischen Universität von Jerusalem (HUJI) ist Preisträger des renommierten Humboldt-Forschungspreises. Gastgeber des international herausragenden Forschers wird das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) sein, wo Nir Friedman mit Prof. Nikolaus Rajewsky zusammenarbeiten wird.

Prof. Nir Friedman. Bild: Nir Friedman.

Prof. Nir Friedman. Bild: Nir Friedman.

Welche Prozesse innerhalb einer Zelle sind beteiligt, wenn es um die Verarbeitung von Informationen und um zelluläre Entscheidungsprozesse geht? Diese Frage steht im Zentrum der Forschung Nir Friedmans, der für seine grundlegenden Entwicklungen auf dem Gebiet der Systembiologie mit dem Humboldt-Forschungspreis ausgezeichnet wurde. Die Alexander von Humboldt-Stiftung vergibt jährlich bis zu 100 der Forschungspreise, mit dem internationale Forschende auf dem Höhepunkt ihres Schaffens ausgezeichnet werden. Sie sind eingeladen, in Kooperation mit anderen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern selbst gewählte Forschungsvorhaben in Deutschland durchzuführen.

Prof. Nikolaus Rajewsky, wissenschaftlicher Leiter des „Berlin Institute for Medical Systems Biology“ (BIMSB) am MDC und ebenfalls Systembiologe, hatte Nir Friedman für den Preis vorgeschlagen. Die beiden Forscher werden ihre Kooperation weiter ausbauen; so wird Friedman für einen Forschungsaufenthalt nach Berlin kommen. „Prof. Friedman ist ein international hochangesehener Forscher, der mit höchst einflussreichen Beiträgen zum Themenfeld maschinelles Lernen beigetragen hat“, sagt Rajewsky über den Preisträger.

So war Nir Friedman einer der ersten Forscher, der das statistische Modellierungsverfahren der Bayesschen Netze genutzt hat, um die Aktivierung von Genen zu analysieren. Bayessche Netze bilden die Abhängigkeiten zwischen Variablen eines Systems ab und ermöglichen es, aus experimentell bestimmten Variablen die wahrscheinlichsten Ergebnisse jener Variablen abzuleiten, die nicht direkt messbar sind. Friedman identifizierte so erstmals Gruppen von gemeinsam regulierten Genen zusammen mit deren Regulatoren und den Bedingungen, zu denen sie aktiviert werden. Aktuell arbeitet die Forschungsgruppe von Nir Friedman unter anderem daran, mit Hilfe von Hochdurchsatzmethoden regulatorische Pfade bei der Genaktivierung in Hefepilzen zu entschlüsseln.

Am MDC wollen Nir Friedman und Nikolaus Rajewsky neue regulatorische Signale auf Ebene der RNA identifizieren – also der kurzlebigen Zwischenform der Erbinformation, die beim Ablesen der DNA entsteht und aus die bei der Proteinherstellung als Vorlage dient. Diese Signale dienen als Adresse, die über den Zielort eines neuen Proteins bestimmt. Dieses neue Konzept des Zusammenspiels von RNA-Sequenzen und subzellulärer Verteilung von Proteinen verbindet zwei regulative Prozesse, von denen bislang geglaubt wurde, sie seien unabhängig voneinander.

Für diese Aufgabe werden die beiden Wissenschaftler ihre Expertise im funktionellen Hochdurchsatz-Screening von Hefezellen, in der Bioinformatik und RNA-Biologie kombinieren. „Der Humboldt-Forschungspreis ermöglicht uns, die Zusammenarbeit zwischen dem BIMSB/MDC und der HUJI zu intensivieren, insbesondere auch durch das Engagement Nir Friedmans in der gemeinsam gegründeten deutsch-israelischen Helmholtz Research School „Frontiers in Cell Signaling and Gene Regulation“ (SignGene)“, sagt Nikolaus Rajewsky. So wird Friedman neben seiner Forschungstätigkeit am MDC auch eine Summer School leiten. Auch der Austausch wissenschaftlicher Nachwuchskräfte beider Laboratorien in Jerusalem und Berlin ist geplant.

Prof. Nir Friedman ist Scientific Director der Israeli Centers for Research Excellence (I-CORE) sowie Professor an der School of Computer Science and Engineering sowie am Alexander Silberman Institute of Life Sciences der HUJI. Von 2009 bis 2012 war Friedman Präsident der Israeli Society for Bioinformatics and Computational Biology. Friedman ist bereits der zweite Humboldt-Preisträger, der mit dem MDC kooperieren wird: Im Jahr 2011 war Nobelpreisträger Prof. Aaron Ciechanover zu Gast am MDC.

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