UniStem Day 2016 – erster deutscher Stammzellforschungs-Tag in Berlin

Über 200 Schülerinnen und Schüler auf den Spuren von Stammzellen.

Am 11. März 2016 stand in Berlin ein ungewöhnliches Thema auf dem Stundenplan Biologie begeisterter Schülerinnen und Schüler: Stammzellen. Über 200 Oberstufen-Schülerinnen und -Schüler von 15 Berliner Schulen besuchten den bundesweit ersten UniStem Day am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) in Buch. Der neue Aktionstag über aktuelle Stammzellforschung, organisiert vom Deutschen Stammzellnetzwerk (GSCN), möchte Neugierde fördern, Fragen vertiefen und Fakten über Stammzellen vermitteln.

Am frühen Morgen strömten über 200 Schülerinnen und Schüler auf den Forschungscampus des MDC in Buch und waren voller Neugierde auf diese Premiere – zum ersten Mal war in Deutschland ein ganzer Tag nur der Stammzellforschung gewidmet. Den UniStem Day gibt es in Europa erst seit 2009, jedoch mit einer gewaltigen Wachstumskurve: Dieses Jahr nahmen acht Länder mit 27 000 Schülerinnen und Schülern teil.

UniStem Day 2016 Axon

Prof. Thomas Sommer begrüßt die Schülerinnen und Schüler im großen Hörsal des MDC. Bild: Anyess von Bock/GSCN

Daher startete der Tag in Buch auch ganz international: In einer Audio-Konferenz waren die Jugendlichen im großen Hörsaal Axon mit den Standorten Mailand, Belgrad und Sardinien verbunden. Auf Englisch wurden lautstark Grüße, Tagesprogramme und Begeisterung mitgeteilt. „Alleine das Moment war schon stark, damit die Jugendlichen erleben, dass Englisch eine wichtige Welt- und Wissenschaftssprache ist“, freute sich Lehrerin Barbara Riedmayer. Als zukünftige junge Forscher begrüßte Thomas Sommer als kommissarischer wissenschaftlicher Vorstand des MDCs die Schüler – und in diesem Sinne bediente das Programm sowohl die wissenschaftlichen Inhalte als auch das Leben und Arbeiten eines Wissenschaftlers. Unterhaltsam berichtete der MDC-Forscher Andreas Ofenbauer vom Liebesleben eines Wurms, seinen genetischen Untersuchungen dieses Tieres in unzähligen Generationen – und den daraus folgenden Erkenntnissen für die Entwicklung pulsierender Muskelzellen beim Menschen. Das Herz ist ein, das ganze Leben lang, pulsierender Muskel – und eben dieses Organ war das Thema des Herzchirurgen Christof Stamm, der von seiner Forschung an Stammzellen als Therapie bei Herzerkrankungen berichtete. „Das waren beeindruckende Einblicke in die Arbeit und das Leben eines Wissenschaftlers und eines Mediziners“, zeigte sich der Schüler Leolo Straubinger beeindruckt.

UniStemDay Marketplace

Schülerinnen und Schüler finden in Workshops zusammen. Bild: Anyess von Bock/GSCN

„Stammzellen im Einsatz“ stand als Überschrift über dem folgenden Markt der Möglichkeiten, wo sich die Schülerinnen und Schüler in Workshops zusammenfanden. Die einen diskutierten über ethische Aspekte von gezielten Genveränderungen oder über das Thema von ungeprüften Therapien und Stammzelltourismus, bei dem Patienten mit dem verzweifelten Wunsch nach Heilung sich ungeprüften aber verheißungsvoll klingenden Therapien, oft im Ausland, anvertrauen. Die anderen erhielten bei Führungen zu Biotech-Firmen auf dem Forschungscampus Einblicke in die Dimension, wo Wissenschaft und Wirtschaft sich verflechten, wo aus den im Labor gewonnenen Erkenntnissen Verfahren entstehen und auf den Markt gebracht werden. „Die Evaluation des UniStem Days hat uns gezeigt, dass auch der berufliche Aspekt für viele Schüler bei ihrem Interesse an Wissenschaft eine große Rolle spielt “, berichtet Daniel Besser, Geschäftsführer des Deutschen Stammzellnetzwerkes (German Stem Cell Network GSCN).

Gastredner auf der Veranstaltung: Prof. Erwin Böttinger (BIH), Prof. Thomas Sommer (MDC) und Dr. Daniel Besser (GSCN). Bild: Anyess von Bock/GSCN

Gastredner auf der Veranstaltung: Prof. Erwin Böttinger (BIH), Prof. Thomas Sommer (MDC) und Dr. Daniel Besser (GSCN). Bild: Anyess von Bock/GSCN

Diesem Interesse gingen viele Schüler auch bei Gesprächen mit Doktoranden und jungen Wissenschaftlerinnen nach. „Sie wollten wissen, wie das Leben als Wissenschaftlerin aussieht – von der Studienwahl über den Tagesablauf bis zur Aussicht auf feste Anstellungen“, erzählt Annika Fendler, Forscherin am MDC, von der lebhaften Begegnung. Großen Anklang fanden aber auch der Mikroskopie-Workshop und die Stammzell-Spiele, wo die Entwicklungsreise einer Stammzelle nachgestellt wurde. Am Ende des langen Stammzelltages bereitete der Moderator André Lampe dem Publikum noch eine Überraschung: In seiner neu entwickelten Science-Show „Die wunderbare Welt der Stammzellen“ konnten die Jugendlichen per Laserpointer aktiv bestimmen, welche Stammzellen-Videos oder leibhaftigen Experten in einem bunten Themenpotpourri rund um Stammzellforschung gezeigt beziehungsweise befragt wurden. „Das war ein super Stammzellentag“, bedankte sich eine Gruppe Schüler beim Abschied, die sogar aus Neumünster angereist waren, um ihr Interesse an Stammzellen zu vertiefen.

Der UniStem Day ist eine europäische Idee: Über 27 000 Schüler haben sich am 11. März 2016 zum UniStem Day in Italien, Spanien, Großbritannien, Schweden, Polen, Serbien, Dänemark und zum ersten Mal in Deutschland über Stammzellen in Forschung und Anwendung informiert. In Deutschland waren über 1000 Oberstufen-Schülerinnen und -Schüler in acht deutschen Städten an Instituten und Universitäten angemeldet.

Das Anliegen des UniStem Days ist es, Lehrkräften, Schülerinnen und Schülern das Wissen über den aktuellen Stand und das Potenzial der Stammzellforschung näherzubringen. Die Stammzellforschung entwickelt sich derzeit so rasant, dass sie sich diese kaum im aktuellen schulischen Lehrplan abbilden lässt. Das Deutsche Stammzellnetzwerk hatte daher die europäische Idee für Deutschland übernommen und den UniStem Day in Berlin zusammen mit dem MDC, dem „Labor trifft Lehrer“, dem Gläsernen Labor, dem Berliner Institut für Gesundheit (BIH) und dem Berlin-Brandenburger Centrum für regenerative Medizin (BCRT) organisiert und in Bonn, Bochum, Hannover, Jena, Dresden, Münster und Heidelberg angeregt. Dieses Jahr mit insgesamt 1000 Schülern – wer weiß, wie viele es 2017 werden?

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Text: Stefanie Mahler
Bilder: Anyess von Bock/GSCN

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