BIH finanziert neue Projekte am MDC

BIG_Wortmarke_rgbIn der Wissenschaft hat die Entdeckung einer neuen Art von Molekülen, welche den Informationsfluss von Genen zu Proteinen regulieren, einen hohen Stellenwert. Diese neuen Regulatoren lenken einen der am feinsten abgestimmten Zellprozesse und sind damit die besten Kandidaten, um menschliche Krankheiten am Ansatz zu bekämpfen. Der heutige rasche technische Fortschritt ermöglicht es Forschern, solche grundlegenden Entdeckungen viel direkter in klinische Anwendungen zu übersetzen. Zur Förderung der Grundlagenforschung an dieser Schnittstelle hat das Berliner Institut für Gesundheitsforschung (BIH) für vier ausgewählte Projekte jeweils 50.000 Euro ausgeschrieben. 
Der BIH Technology Transfer Fund stellt Mittel für Wissenschaftler bereit, um die Übertragung neuester Erkenntnisse aus der systemischen und translationalen Forschung in Anwendungen für die medizinische Praxis zu beschleunigen. Das vorgeschlagene Projekt von Prof. Dr. Nikolaus Rajewsky und Sebastian Memczak vom BIMSB/MDC zählt zu den vier ausgewählten Themen. Es untersucht eine neue Form der RNA namens zirkuläre RNA (circRNA).

CircRNAs sind seit Jahrzehnten bekannt, aber erst vor Kurzem wurde entdeckt, wie weit verbreitet sie sind: beim Menschen werden tausende unterschiedlicher circRNAs exprimiert. Bei circRNAs handelt es sich um kovalent geschlossene RNA Isoforme, die hochstabil sind – aufgrund ihrer ringförmigen Struktur sind sie tatsächlich in der Regel viel stabiler als normale Messenger-RNA. Darüber hinaus konnte die Forschungsgruppe um Rajewsky kürzlich zeigen, dass circRNAs gewebe- und entwicklungsspezifisch exprimiert werden. Diese Eigenschaften machen die circRNAs zu interessanten neuen Kandidaten für Biomarker. Rajewsky und seine Kollegen stellten außerdem fest, dass circRNAs im neuronalen Gewebe des Menschen stark exprimiert werden, und dass bezüglich dieser Expression eine tiefe Homologie zwischen Menschen und Mäusen besteht, was darauf hindeutet, dass circRNAs funktionelle Bedeutung im Nervensystem haben.

Im Rahmen des vom BIH finanzierten Projekts werden Rajewsky, Memczak und Kollegen untersuchen, ob dies Einfluss auf die Expression solcher Proteine hat, von denen bekannt ist, dass sie bei Hirnerkrankungen eine Rolle spielen. Falls ja, könnte die Expression der circRNA Krankheitszustände der Zellen widerspiegeln und so als Diagnosewerkzeug bei einer Reihe menschlicher Krankheiten dienen.

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