Eine neue Methode, um ins Gehirn zu blicken

Mikroskopisch kleine Blutgefäße im Gehirn lassen sich sehr gut mit Ultrahochfeld-MRT untersuchen, wenn man dabei ein Medikament einsetzt, das Eisen-Nanopartikel enthält. Das hat eine Untersuchung ergeben, die ein Team um Andreas Pohlmann and Min-Chi Ku von der AG Niendorf, MDC und Marion Bimmler, MDC mit Peter Karczewski (von der E.R.D.E.-AAK-Diagnostik GmbH auf dem Campus Berlin Buch), durchgeführt haben. Die Arbeit habe eine neue aufregende Methode der präklinischen Hirnforschung mit Ultrahochfeld-MRT etabliert, sagt Thoralf Niendorf, Leiter der Berlin Ultrahigh Field Facilitiy des MDC. Marion Bimmler erklärt, dass mit dieser neuen Methode gezeigt werden konnte, dass die agonistisch wirkenden Autoantikörper auch den Blutfluss im Cortex und Hippocampus reduzieren. Beide Hirnareale sind bei der Entstehung von Demenzen als erste betroffen.

In einer Studie an Ratten untersuchten die Wissenschaftler die Durchblutung des Gehirns mit einem 9,4-Tesla-Magnetresonanz-Tomographen (MRT). Sie verabreichten dazu den Tieren die Substanz Ferumoxytol, die als MRT-Kontrastmittel wirkt und als Medikament auch zur Behandlung von Anämie bei Menschen zugelassen ist. Mit dieser Kombination konnten sie zeitliche und räumliche Veränderungen des Blutflusses im Gehirn der Ratten dokumentieren.

Die Untersuchung diente dem Nachweis, dass bestimmte Autoantikörper des Immunsystems nicht nur große, sondern auch kleinste Blutgefäße im Gehirn schädigen. Diese Antikörper werden auch bei Patienten mit Demenz nachgewiesen. „Wir haben gesehen, dass in weiten Teilen des Gehirns die kleinen Blutgefäße geschädigt und die Durchblutung vermindert waren“, erläuterten Marion Bimmler und Andreas Pohlmann das Ergebnis ihrer Untersuchungen. Das Projekt hatte Marion Bimmler 2010 gemeinsam mit der E.R.D.E.-AAK-Diagnostik begonnen. Es beschäftigt sich mit agonistisch wirkenden Autoantikörpern, die die Gefäße schädigen. Die Gruppe um Marion Bimmler hat solche Autoantikörper beispielsweise bei Patienten mit Demenz und bei Diabetikern mit vaskulären Komplikationen nachgewiesen. Erste Patienten wurden bereits mit gutem Erfolg mit einer Blutwäsche, die die Antikörper entfernt, behandelt.

Die Wissenschaftler wollen ihre neue Methode der Hirnforschung künftig auch an anderen Organen, wie zum Beispiel den Nieren, einsetzen. Sie kooperieren dazu mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Lesen Sie hier die Pressemitteilung des MDC dazu. Die Originalarbeit (Abstract) des Journals NMR in Biomedicine gibt es hier.


Beitragsbild: Der Blick per MRT in ein Rattengehirn zeigt gut (rot-gelb) und weniger gut (gelb-blau) durchblutete Regionen. Foto: Andreas Pohlmann, Henning Reimann/Copyright: MDC

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